Schlaflose Nächte…

Also, da war ja diese Sache mit dem WDR-Dreh über unsere Küchenlesungen. Richtig: Das Filmchen, das nie gesendet wurde (immerhin gibt es Fotos, die beweisen, dass das Kamerateam da war).
Mit ließ das Ganze keine Ruhe. Also schrieb ich eine Mail an Michael Thamm, seines Zeichens Studioleiter – und offensichtlich ein humorvoller Mensch. Ihr möchtet mitschmunzeln? Bitteschön!

Lieber Herr Thamm,

ich glaube es war Anfang Dezember, da haben wir Sitzen 73-er einen Dreh mit einem WDR-Lokalzeit-Team gehabt. Eigentlich sollte die ganze Geschichte vor Weihnachten gesendet werden und so saßen wir Tag für Tag und wechselten uns in Schichten ab, nur um keine Lokalzeit zu verpassen. Zweimal hieß es dann aus dem Sender “Diese Woche ganz bestimmt”. Im Nachhinein würde ich das als geschicktes Lockverhalten sehen, das die Einschaltquote hochhielt…
Gut, haben wir die Sache einfach vergessen.
Letzte Nacht aber hatte ich dann diesen seltsamen Traum: Ich träumte ich sei uralt, irgendwo weit jenseits der 80 (mein genaues Traum-Alter ist mir nicht bekannt, aber ich hatte graue Haare, wenig Zähne und war schlecht zu Fuß). Ich saß also mit einer Gruppe anderer alter Menschen in einer Art Aufenhaltsraum – Sie kennen solche Räume sicherlich, Linoleumfußboden, Eiche-Hell-Möbel mit gemusterten Auflagen und eine Geruchsmischung aus Urin und Raumduft – und da plötzlich, mitten in der Lokalzeit, angekündigt von einer jungen hübschen Moderatorin, ein Bericht über eine Lesebühne, die mit einer neuen Idee daher kommt: Küchenlesungen.
Und dann ein Bild von mir.
Riesengroß lache ich in die Kamera. Nur vierzig Jahre jünger (alle Zähne noch da).  In bin geschockt. Ich springe aus meinem Sessel, fuchtele wild mit meinem Gehstock und rufe immer wieder, dass ich das bin, da im Fernsehen – aber keiner glaubt mir. Und so werde ich immer wilder und lauter und dann kommen zwei Pfleger und ich weiß, sie werden mir wieder von diesen grünen Pillen geben, die mich immer so schläfrig machen und das will ich nicht, aber ich weiß, sie sind jünger und stärker und …
Und dann bin ich schweißgebadet aufgewacht.
Also, Herr Thamm, ich bitte Sie inständig: Lassen Sie es nicht so weit kommen. Es liegt in Ihrer Hand. Senden Sie unseren 3-Minüter, bevor es zu spät ist…

Herzliche Grüße!
Stefanie Schröder

_________________

Liebe Frau Schröder,
um Himmels Willen, Sie scheinen wirklich gefährdet. Gut, dass Sie uns das verraten und auch den Grad unserer Verantwortung mitteilen. So fühlen wir uns auf jeden Fall schuldig, komme was wolle. Ich weiß, dass ich mir vermutlich keinen Ablass mehr kaufen kann. Also gehe ich mal zur Programmplanerin und erzähle von Ihrem traurigen Schicksal. Das dürfte genügen! Ich vermute, dass eine schnelle Reaktion garantiert ist, so eine Art “Erste Hilfe”.
Falls Sie also ab dem 23. April wieder vor dem Bildschirm ausharren wollen – es lohnt sich.
beste Grüße (und Respekt vor Ihrer kreativen Traumwelt….)

MT

Ein Kommentar zu “Schlaflose Nächte…”

  1. Mischa

    Klasse :)

Einen Kommentar schreiben: