Verlust für die Bielefelder Literaturszene…
… schrieb Nicole Karczmarzyk in der NW über das Ende unserer Lesebühne. Das tut gut!
Hier der ganze Artikel:
„Sitzen 73“
Unterhaltsames Finale
VON NICOLE KARCZMARZYK
“Bielefeld. Was im Kino anfängt, endet häufig im Theater. Im Fall der Bielefelder Lesebühne „Sitzen 73“ trifft dies jedenfalls zu, allerdings nicht ohne Umwege über jede Menge anderer Locations wie Kneipen, Cafés und Kleinkunstbühnen. Bis hin zu den legendären Küchenlesungen. Angefangen hat alles 2006, als Volker Backes, Sacha Brohm und Stefanie Schröder Lesungen ihrer selbstverfassten Texte im Kino Lichtwerk gaben. Seit Samstag ist nun aber endgültig Schluss mit Bielefelds beliebtester Lesebühne, denn „Sitzen73“ feierte im TAM seinen Abschied von der Bühne, im wahrsten Sinne des Wortes.
Zu ihrer Unterstützung luden die drei den Autor und Schauspieler Andreas Liebold ein, der seinerzeit das bekannte „Frühstyxradio“ mitbegründete. Der unterhielt sein Publikum vor allem mit seinen Beobachtungen zum Kommunikationsverhalten der Ostwestfalen, das er für schlichtweg nicht existent hält.
Stefanie Schröder gab drei ihrer pointierten Alltagsbeschreibungen zum Besten. Backes beschrieb die Teilung Bielefelds in Ost und West durch die Demarkationslinie des Ostwestfalendamms und amüsierte sich über das „Bionadenbürgertum“ des Bielefelder Westens. Von seinem Kollegen Brohm stammte das Tagebuch eines Mannes, der zusammen mit Roland Kaiser im Dschungel-Camp festsitzt.
Das Ende der Vorleseabende bedeutet einen Verlust für die Bielefelder Literaturszene. Es war ein unterhaltsamer Abschied, bei dem die Zuschauer vor Lachen das Trauern vergaßen.”
© 2010 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Dienstag 02. März 2010, Lokale Kultur